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Jour Fix Bildungstheorie - Sommersemester 2011 Lernen: Konzepte, Kontroversen, Kontext

04.2011 | Wien - depot

Der Jour fixe Bildungstheorie befasst sich im Sommersemester 2011 mit gleichermaßen neuartigen wie umstrittenen Thematisierungen von Lernen. Befragt werden das Lernverständnis der Neurowissenschaften, das Leitbild eines selbstorganisierten Lernunternehmertums in der Berufs- und Arbeitswelt sowie didaktische Modelle, die sich auf Konzepte der Dekonstruktion und Differenz beziehen.

Donnerstag, 5. Mai, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

Melanie Plößer (Kiel): Verschiebungen, Irritationen, Verkennungen. Dekonstruktive Umgangsweisen mit Differenz in Lehr- und Lernsituationen

Respondenz: Julia Seyss-Inquart (Wien)

Dekonstruktiv orientierte Differenztheorien eröffnen neue reflexive Perspektiven für die Analyse wie auch für die konzeptionelle Gestaltung von Lehr- und Lernsituationen. Im Rahmen des Vortrags sollen die Besonderheiten dekonstruktiver Perspektiven auf Differenzverhältnisse beleuchtet sowie Ansatzpunkte einer dekonstruktiven Didaktik vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden.

Melanie Plößer ist Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kiel.
Publikationen: Plößer, Melanie (2005): Dekonstruktion – Feminismus – Pädagogik. Vermittlungsansätze zwischen Theorie und Praxis. Königstein: Helmer-Verlag. Kessl, Fabian;

Plößer, Melanie (Hrsg.) (2010): Differenzierung, Normalisierung, Andersheit. Soziale Arbeit als Umgang mit den Anderen. Wiesbaden, VS-Verlag

Julia Seyss-Inquart ist Mitarbeiterin am Institut für Bildungswissenschaft (Universität Wien) und forscht aktuell zur Transformation von Bildungssystemen.

Donnerstag, 9. Juni, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

Philipp Gonon (Zürich): Erwerbstätigkeit lernen: Zum Wandel von Arbeit, Beruf und Bildung

Respondenz: Peter Schlögl (Wien)

Im 20. Jahrhundert werden auch Arbeit und Beruf als Bildungsdomäne wieder „entdeckt“. Neukantianismus, Lebensphilosophie und Pragmatismus greifen eine bereits seit längerem virulente Schul- und Sozialkritik gegenüber klassischen und bildungsbürgerlichen Zuschneidungen von Erziehung und Unterricht auf und erweitern einen Lernbegriff, der eine auf enge Fachlichkeit und Zweckorientierung gerichtete Integration in den Arbeitsprozess vorsieht. Diese auch am Erwerb orientierte Perspektive hat allerdings bereits ihre Vorläufer in der „Industrie“ und „Gewerbsamkeit“. Im Leitbild des auf Beschäftigung und Kompetenz ausgerichteten selbstorganisierten Lernunternehmertums konvergieren sinnbezogene Bildungsansprüche und zweckorientiertes Selbstmanagement.

Philipp Gonon ist Professor für Berufsbildung an der Universität Zürich.

Publikationen (mit Emil Wettstein): Berufsbildung in der Schweiz. Bern: hep-Verlag 2009. Philipp Gonon: The Quest for Modern Vocational Education – Georg Kerschensteiner between Dewey, Weber and Simmel. Bern: P. Lang 2009.

Philipp Gonon: Vom ehrbaren Handwerker zum innovativen Self-Entrepreneur. Modernisierung der Berufsbildung anhand idealtypischer Leitfiguren. Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung 2008.

Peter Schlögl ist geschäftsführender Institutsleiter des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung in Wien, ÖIBF (www.oeibf.at)

Freitag, 10. Juni, 9.00–12.00 Uhr, IWK

ExpertInnengespräch mit Philipp Gonon

(Anmeldung erbeten: wolfgang.kellner@ring.bildungswerke.at)

 

Donnerstag, 30. Juni, 19.00 Uhr, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

Käte Meyer-Drawe (Bochum): Lernen als Erfahrung? Neurowissenschaftliche und pädagogische Antworten

Respondenz: Gudrun Kern (Wien)

Neurowissenschaftler arbeiten oft mit einem Alltagsverständnis von Lernen und ignorieren pädagogisches Expertenwissen. Umgekehrt überlassen Pädagogen ihnen die gesamte Fachkompetenz, ohne dabei die Aussagen der Hirnforschung im Hinblick auf ihre Reichweite zu prüfen. Daraus resultieren Trivialisierungen auf beiden Seiten, die dem Phänomen des Lernens nicht gerecht werden können. Der Vortrag wird sich dieser problematischen Lage widmen und Auswege diskutieren.

Käte Meyer-Drawe, Dr.in päd., Professorin für Allgemeine Pädagogik im Institut für Erziehungswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum; Arbeitsschwerpunkte: Bildung und Leiblichkeit; Selbst-, Welt- und Fremddeutungen des Menschen im Lichte technologischer Entwicklungen; philosophische Lerntheorien. Ausgewählte Bücher: Leiblichkeit

und Sozialität. Phänomenologische Beiträge zu einer pädagogischen Theorie der Inter-Subjektivität. München 2001;

Illusionen von Autonomie. Diesseits von Ohnmacht und Allmacht des Ich. München 2002;

Menschen im Spiegel ihrer Maschinen. München 2002, Diskurse des Lernens. München 2008.

Gudrun Kern ist Erziehungswissenschafterin mit den Schwerpunkten Allgemeine Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik. Derzeit ist sie Projektassistentin in der Abteilung Bildung, Biographie und Medien des Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Wien.

Freitag, 1. Juli, 9.00–12.00 Uhr, IWK

ExpertInnengespräch mit Käte Meyer-Drawe

(Anmeldung erbeten: wolfgang.kellner@ring.bildungswerke.at)

Workshop Bildungstheorie: Als Feedback-Veranstaltung zu den Vortragsabenden wird der dreistündige Workshop Bildungstheorie angeboten. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Information/Anmeldung: Ring Österr. Bildungswerke (Tel.: 01 533 88 83, www.ring.bildungswerke.at).

Die Teilnahme an den Jour-fixe-Veranstaltungen und am Workshop ist als Seminar Bildungstheorie von der WeiterBildungsAkademie Österreich (www.wba.or.at) akkreditiert. Termine in Abstimmung mit den TeilnehmerInnen.

Institut für Wissenschaft und Kunst / Berggasse 17, 1090 Wien / Tel.: 317 43 42 / iwk.institut@aon.at / www.univie.ac.at/iwk